Die Digitalisierung wird vor allem im verarbeitenden Gewerbe und der Industrie als neue große Revolution bezeichnet, die deutliche Veränderungen mit sich bringt. Dabei sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass digitale Prozesse fast in jeder Branche für attraktive Innovationen sorgen können. Dies gilt auch für den Immobiliensektor. Nun hat die Coronakrise hier in gewisser Weise vorgegriffen. Viele Prozesse finden heute kontaktlos statt, um die Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Doch ist das nur eine kurzfristige Reaktion auf die aktuelle Situation oder eine Blaupause für die Digitalisierung in der Immobilienbranche?

Die digitalen Möglichkeiten sind bereits vorhanden

Veränderungen passieren nur selten über Nacht, sondern treten eher schleichend auf. Ein Marktteilnehmer nutzt neue Verfahren oder Methoden und wenn diese erfolgreich sind, ziehen Wettbewerber nach. Durch die Corona-Krise wurden diesbezüglich jedoch schnell einige Schritte übersprungen. Zwar eher aus der Not geboren, haben Immobilienmakler, Vermieter und andere Akteure in der Branche begonnen, viele Schritte zu digitalisieren, um potenziell gefährliche zwischenmenschliche auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Das beginnt bei der Wohnungsvermietung über eine Aggregator-Software“, erklärt Thomas Knedel, Immobilienunternehmer, Gründer der Triramis Gruppe und Buchautor mit über 20 Jahren Erfahrung in der Immobilienbranche. Entsprechende Software liegt heute bereits vor und vereinfacht den Prozess für Vermieter enorm:

  • Automatisierte Vermarktung auf den passenden Kanälen
  • Ablage aller relevanten Dokumente
  • Intelligente Strukturierung der Kommunikation
  • Vorbereitung aller Dokumente für die Mietvertragsunterzeichnung binnen weniger Klicks

Darüber hinaus bestehen heute bereits viele Bestandteile digitaler Aspekte in der Immobilienbranche:

1. Virtuelle Besichtigungen

Durch passende Software ist es möglich, aus Innenraumfotos eine Art digitale Besichtigung zu erstellen. Der Interessent kann sich mit der Maus innerhalb der Wohnung bewegen und alle Zimmer einsehen. Auch wenn dies die persönliche Besichtigung noch nicht vollständig ersetzt, kann es für eine Vorqualifizierung der Interessenten sorgen und somit die Zahl der Vor-Ort-Besichtigungen vermindern.

2. Papierloses Büro

Sämtliche Korrespondenz wird digitalisiert und gleich an der richtigen Stelle abgelegt. So können Interessenten automatisch der richtigen Immobilie zu geordnet werden und es gibt keinerlei bürokratischen Aufwand mehr.

3. Automatisierte Vorqualifizierung

Leistungsfähige Software für Immobilienverwalter und Makler kann heute mittels KI auch eine Vorqualifizierung von Interessenten vornehmen. So haben potenzielle Mieter die Möglichkeit, direkt über die Website eine Selbstauskunft auszufüllen. Eine automatisierte Überprüfung aller Daten spuckt am Ende die Personen aus, die am besten zum jeweiligen Objekt passen.

4. Digitale Mietverträge

Der Mietvertrag als Papierdokument hat mehr und mehr ausgedient, da die digitale Variante viele Vorteile mit sich bringt. Alle Daten zur Person lassen sich automatisch einfügen und mittels qualifizierter digitaler Signatur des Mieters wird auch eine händische Unterschrift nicht mehr benötigt.

Für Immobilienmakler und Immobilienverwalter gilt es nun, die vielen Elemente der Digitalisierung zusammenzufassen und von den Vorteilen zu profitieren. Die große Zahl an PropTechs (wie FinTechs, nur für die Immobilienbranche) zeigt ganz klar, in welche Richtung die Branche strebt: Ins digitale Zeitalter.

Immobilienbranche als Spätzünder in Sachen Digitalisierung

Bei einem Blick auf die digitale Entwicklung in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft erweist sich die Immobilienbranche als Spätzünder. Während in Industriebetrieben schon seit vielen Jahren von Industrie 4.0, Robotik und der Zusammenarbeit zwischen KI und Menschen die Rede ist und auch die sonst so traditionelle Finanzbranche mehr und mehr digitalisiert wird, erfolgen in der Immobilienwirtschaft nach wie vor viele Schritte von Hand. Mit der Corona-Krise scheint es hier jedoch eine Art Initialzündung gegeben zu haben. So machen Immobilienfirmen aus der Not eine Tugend und unternehmen die ersten digitalen Gehversuche.

Es gibt kein Zurück mehr

Natürlich stellt sich dabei die Frage, ob der Trend zur Digitalisierung nur eine vorübergehende Reaktion auf die Pandemie darstellt. „Corona hat diese Prozesse schnell eingeführt“, erklärt Knedel, der selbst jedoch stark davon ausgeht, dass die eingeschlagene Richtung nicht so schnell wieder verlassen wird. Zu lohnend ist die Rendite, die sich aus der Automatisierung und Digitalisierung vieler Schlüsselprozesse ziehen lässt.

Immobilienwirtschaft goes digital: Am Ende könnten alle gewinnen

Die Digitalisierung in der Immobilienbranchen scheint nicht mehr aufzuhalten. Mehr und mehr Unternehmen erkennen die Vorteile aus Software-Produkten, digitalen Mietverträgen, virtuellen Besichtigungen und Interessentenmanagement. Am Ende profitieren aber nicht nur die Unternehmen – auch die Interessenten selbst können sich auf eine schnellere und zielgerichtete Bearbeitung ihrer Anliegen freuen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die Marktakteure sich dem Innovationsdruck fügen. Der Anfang ist jedoch gemacht und läutet aller Wahrscheinlichkeit nach eine neue Zeit im Immobiliensektor ein.

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