Wer vor fünf Jahren – also Anfang 2021 – Geld in ETFs investiert hat, brauchte starke Nerven. Eine globale Pandemie, Lieferkettenprobleme, der Ausbruch des Ukraine-Krieges, explodierende Inflation und die aggressivste Zinswende der letzten Jahrzehnte haben die Märkte ordentlich durchgeschüttelt.
Doch wer stur investiert blieb, wurde belohnt. Der weltweite Aktienmarkt hat sich nicht nur erholt, sondern neue Rekordhochs erreicht. Aber welche ETFs haben in dieser turbulenten Phase am besten abgeschnitten? Waren es die langweiligen Welt-Portfolios, die gehypten Tech-Werte oder völlig unerwartete Nischen?
In diesem Artikel werfen wir einen datenbasierten Blick auf die besten ETFs der letzten 5 Jahre (Stand: Frühjahr 2026). Wir zeigen dir, welche Branchen die Rendite-Könige waren, warum Hebel-ETFs mit Vorsicht zu genießen sind und wie sich der klassische MSCI World im Vergleich geschlagen hat.
Die absoluten Top-Performer: Hebel und Goldminen
Wenn man die nackten Zahlen der letzten fünf Jahre betrachtet, stehen ganz oben auf den Bestenlisten ETFs, die für den durchschnittlichen Privatanleger eigentlich tabu sein sollten: Hebel-ETFs (Leveraged ETFs).
Ein Beispiel ist der Amundi IBEX 35 Doble Apalancado (2x), der die tägliche Rendite des spanischen Leitindex verdoppelt und über fünf Jahre unglaubliche +345 % Rendite eingefahren hat. Auch der Amundi FTSE MIB Daily (2x) Leveraged auf den italienischen Markt glänzt mit rund +290 %.
Aber Vorsicht: Hebel-ETFs eignen sich absolut nicht für Buy-and-Hold-Strategien. Durch die tägliche Pfadabhängigkeit (Pfadverlust) können sie in Seitwärtsphasen massiv an Wert verlieren, selbst wenn der zugrunde liegende Index stagniert.
Der Goldrausch der Minenbetreiber
Klammert man die Hebel-Produkte aus, finden sich an der Spitze der letzten fünf Jahre vor allem Goldminen-ETFs. Der UBS Solactive Global Pure Gold Miners (TER: 0,43 %) lieferte satte +299 % Rendite, dicht gefolgt vom L&G Gold Mining UCITS ETF mit +275 %.
Der Grund dafür ist simpel: Der Goldpreis hat in den letzten Jahren historische Höchststände erreicht, angetrieben durch Inflation und geopolitische Unsicherheiten. Goldminenbetreiber profitieren davon überproportional, da ihre Förderkosten relativ konstant bleiben, während die Verkaufspreise für das Edelmetall durch die Decke gehen.
Die wahren Gewinner für Langzeitanleger: Halbleiter und Banken
Für Anleger, die nicht auf hochspekulative Nischen setzen wollen, gibt es zwei klare Gewinner-Branchen der letzten fünf Jahre: Europäische Banken und die Halbleiterindustrie.
1. Das Comeback der europäischen Banken
Wer hätte das gedacht? Nach jahrelanger Nullzins-Durststrecke und mickrigen Renditen wurden europäische Banken-ETFs zu den heimlichen Stars. Die Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Zinsmargen der Geldhäuser massiv ansteigen lassen.
- Amundi Euro Stoxx Banks UCITS ETF Acc: +271 % (TER: 0,30 %)
- iShares EURO STOXX Banks 30-15 UCITS ETF: +261 % (TER: 0,52 %)
Die Banken schwimmen im Geld, schütten Rekorddividenden aus und kaufen eigene Aktien zurück. Wer hier vor fünf Jahren mutig eingestiegen ist, hat den breiten Markt weit hinter sich gelassen.
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2. Der KI-Boom treibt Halbleiter-ETFs
Künstliche Intelligenz ist das bestimmende Thema dieses Jahrzehnts. Und wer liefert die Schaufeln für diesen Goldrausch? Die Halbleiterindustrie. Unternehmen wie Nvidia, TSMC oder ASML haben in den letzten Jahren ein beispielloses Wachstum hingelegt.
Das spiegelt sich direkt in den entsprechenden ETFs wider:
- Amundi MSCI Semiconductors UCITS ETF: +239 % (TER: 0,35 %)
- VanEck Semiconductor UCITS ETF: +230 % (TER: 0,35 %)
Auch der breitere IT-Sektor lief hervorragend. Der iShares S&P 500 Information Technology Sector UCITS ETF (WKN: A142N1) brachte es in den letzten fünf Jahren auf rund +150 % Rendite.
Wie hat sich der MSCI World geschlagen?
Bei all diesen astronomischen Renditen von 200 % oder 300 % stellt sich die Frage: War das langweilige Welt-Portfolio ein Fehler?
Schauen wir uns den Goldstandard der passiven Geldanlage an: den iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH). Mit einem Fondsvolumen von über 110 Milliarden Euro ist er das absolute Schwergewicht am Markt.
In den letzten fünf Jahren hat der MSCI World eine kumulierte Rendite von rund +86 % (ca. 13,3 % pro Jahr) erzielt.
Ist das schlecht? Absolut nicht! Eine Verdopplung des Kapitals in knapp sechs Jahren ist ein hervorragendes Ergebnis. Der entscheidende Unterschied zu den oben genannten Branchen-ETFs ist das Risiko.
Während ein Halbleiter-ETF bei einem Einbruch der Tech-Branche massiv abstürzen kann (wie wir es 2022 gesehen haben), fängt der MSCI World solche Schocks durch seine Streuung über 23 Industrieländer und rund 1.500 Unternehmen deutlich besser ab.
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Nasdaq-100 vs. S&P 500: Das US-Duell
Wer in den letzten fünf Jahren den MSCI World schlagen wollte, musste eigentlich nur eines tun: Den US-Anteil in seinem Portfolio erhöhen. Die amerikanische Wirtschaft hat Europa und den Rest der Welt renditetechnisch deklassiert.
- S&P 500 ETFs (die 500 größten US-Unternehmen) lieferten über fünf Jahre eine Rendite von rund +100 %.
- Nasdaq-100 ETFs (die 100 größten Nicht-Finanzunternehmen an der US-Tech-Börse) kamen sogar auf über +150 %.
Der iShares Nasdaq 100 UCITS ETF (WKN: A0F5UF) war damit für viele Anleger der perfekte Kompromiss zwischen der extremen Konzentration eines reinen Halbleiter-ETFs und der breiten Streuung eines Welt-Portfolios.
Fazit: Was lernen wir aus den letzten 5 Jahren?
Die Performance-Daten der letzten fünf Jahre zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich verschiedene Sektoren in Krisenzeiten entwickeln können.
- Branchenwetten können sich lohnen, sind aber riskant: Wer vor fünf Jahren auf Banken oder Halbleiter gesetzt hat, ist heute der große Gewinner. Wer stattdessen auf saubere Energien (Clean Energy) gesetzt hat, sitzt heute oft auf Verlusten.
- Tech dominiert weiterhin: Der Nasdaq-100 und der S&P 500 haben den MSCI World deutlich geschlagen. Die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von den großen US-Tech-Giganten (den "Magnificent Seven") ist weiter gewachsen.
- Der MSCI World bleibt die Basis: Mit rund 86 % Rendite in fünf Jahren hat der Welt-ETF genau das geliefert, was er soll: Solides, krisenresistentes Wachstum ohne schlaflose Nächte.
Für den Vermögensaufbau gilt weiterhin: Ein breit gestreuter Welt-ETF sollte das Fundament (Core) deines Portfolios bilden. Wer möchte, kann dieses Fundament mit Satelliten (z.B. einem Nasdaq-100 oder Halbleiter-ETF) ergänzen, um die Renditechancen zu erhöhen – muss dann aber auch die höheren Schwankungen aushalten können.
Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Performance. Alle Daten beziehen sich auf den Zeitraum Frühjahr 2021 bis Frühjahr 2026.
Quellen:
- justETF: Die besten ETFs der letzten 5 Jahre (Stand: März 2026): https://www.justetf.com/de/market-overview/best-etf-last-5-years/
- justETF: MSCI World-ETFs im Vergleich: https://www.justetf.com/de/how-to/msci-world-etfs.html
- Curvo Backtest: MSCI World historical performance: https://curvo.eu/backtest/en/market-index/msci-world