Die Waschmaschine gibt den Geist auf. Das Auto braucht eine teure Reparatur. Oder plötzlich fällt ein Monat Arbeit weg. Wer in solchen Momenten keinen finanziellen Puffer hat, gerät schnell in eine Zwickmühle: Dispo, Kredit, Geld leihen. Das sind alles Optionen, die zusätzlich Geld kosten und Stress bedeuten.
Genau dafür ist der Notgroschen da. Er ist das Fundament jeder soliden Finanzplanung, der erste Schritt noch vor jedem Investment. In diesem Ratgeber erklären wir dir, wie du die richtige Höhe für deine Situation berechnest, warum ETFs und Aktien als Notgroschen nichts zu suchen haben und auf welchem Konto das Geld am sinnvollsten geparkt ist.
Was ist ein Notgroschen eigentlich?
Der Begriff "Notgroschen" kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bezeichnete ursprünglich eine einzelne Münze, die man für wirkliche Notfälle zurückhält. Heute meint man damit eine schnell verfügbare Geldreserve, die unerwartete Ausgaben oder Einkommensausfälle überbrückt, ohne dass man Schulden machen oder langfristige Anlagen auflösen muss.
Der Notgroschen ist ausdrücklich kein Investition und kein Sparziel für einen Urlaub oder ein neues Auto. Er ist ein Sicherheitsnetz. Sein einziger Zweck ist es, in Notlagen sofort und ohne Kursverlustrisiko verfügbar zu sein. Wer diesen Unterschied versteht, trifft beim Aufbau bessere Entscheidungen.
Laut Verbraucherzentrale sollte der Notgroschen die erste finanzielle Massnahme sein, noch bevor man über Altersvorsorge, ETF-Sparpläne oder andere Anlagen nachdenkt. Und das hat einen guten Grund: Wer keinen Puffer hat, verkauft im Notfall Wertpapiere zum falschen Zeitpunkt, nimmt teuren Kredit auf oder schöpft den Dispo aus.
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Die Faustregel, die sich in Deutschland etabliert hat, lautet: drei bis sechs Nettomonatsgehälter. Die DIN-Norm 77223, die einen standardisierten Rahmen für Finanzanalysen vorgibt, empfiehlt sogar explizit sechs Nettomonatsgehälter als Richtwert.
Aber Faustregel ist nicht Faustregel. Die richtige Höhe hängt stark von deiner persönlichen Situation ab. Hier die wichtigsten Faktoren:
Angestellte mit sicherem Job in einer stabilen Branche kommen in der Regel mit drei Monatsnetto gut aus. Im Falle einer Kündigung greift das Arbeitslosengeld I relativ schnell, das rund 60 Prozent des bisherigen Nettogehalts ersetzt.
Familien mit Kindern sollten eher vier bis sechs Monatsgehälter einplanen, denn unerwartete Ausgaben passieren häufiger und die finanzielle Verantwortung ist grösser.
Selbstständige und Freelancer ohne regelmässigen Gehaltseingang sollten mindestens sechs Monatsausgaben zurücklegen. Schwankende Einnahmen und das Fehlen staatlicher Sicherheitsnetze machen eine grössere Reserve nötig.
Menschen mit unsicherem Arbeitsverhältnis oder in Branchen mit hoher Fluktuation sollten ebenfalls grosszügiger planen.
Ein praktischer Ansatz: Rechne nicht mit dem Nettogehalt, sondern mit deinen tatsächlichen monatlichen Fixkosten. Also Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität und sonstige unvermeidbare Ausgaben. Diese Zahl multipliziert mit drei bis sechs ergibt deinen persönlichen Notgroschen.
Beispiel: Deine Fixkosten betragen 1.800 Euro im Monat. Dann ist ein Notgroschen von 5.400 Euro (3 Monate) bis 10.800 Euro (6 Monate) angemessen.
Mit unserem Finanzfluss-Rechner mit Diagramm kannst du deine monatlichen Einnahmen und Ausgaben schnell strukturieren und so besser einschätzen, wie viel Puffer du wirklich brauchst.
Kann man den Notgroschen auch kleiner halten?
Ja, und das ist sogar clever. In Deutschland gibt es staatliche Auffangnetze, die man in die Berechnung einbeziehen kann. Wer angestellt ist und mindestens zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, erhält im Falle der Kündigung Arbeitslosengeld I in Höhe von rund 60 Prozent des letzten Nettogehalts.
Wer monatlich 3.000 Euro netto verdient und einen Notgroschen für vier Monate aufbauen möchte, bräuchte eigentlich 12.000 Euro. Zieht man jedoch 1.800 Euro monatliches Arbeitslosengeld I ab, braucht der Notgroschen nur noch die verbleibenden 1.200 Euro pro Monat abzudecken, also 4.800 Euro gesamt. Das ist deutlich weniger und trotzdem ausreichend abgesichert. Das genaue Arbeitslosengeld kannst du mit unserem Arbeitslosengeld-Rechner berechnen.
Wo sollte der Notgroschen nicht liegen?
Bevor wir zur richtigen Lösung kommen, zuerst die wichtigsten Fehler:
Auf dem Girokonto: Viele Menschen lassen ihren Notgroschen einfach auf dem Girokonto liegen. Das ist zwar sicher und verfügbar, aber problematisch: Das Geld vermischt sich mit den alltäglichen Ausgaben und ist schnell unbewusst aufgebraucht. Ausserdem gibt es auf Girokonten in der Regel keine nennenswerten Zinsen.
In Aktien oder ETFs: Das ist der klassische Fehler. Aktien und ETFs schwanken im Wert, teils stark und schnell. Wer im falschen Moment einen Crash hat und das Geld gerade braucht, muss möglicherweise mit erheblichem Verlust verkaufen. Der Notgroschen darf keinem Kursrisiko ausgesetzt sein.
In Festgeld mit langer Laufzeit: Festgeld ist sicher, aber in der Regel nicht täglich verfügbar. Läuft eine Anlage drei Monate oder ein Jahr, ist das Geld in der Zwischenzeit blockiert. Das widerspricht dem Sinn eines Notgroschens.
Zuhause in bar: Abgesehen vom Einbruchsrisiko verliert Bargeld durch Inflation schleichend an Wert und bringt keinerlei Zinsen.
Wo sollte der Notgroschen liegen?
Die klare Empfehlung aus Finanzwissenschaft und Verbraucherschutz: das Tagesgeldkonto. Es vereint alle nötigen Eigenschaften:
Täglich verfügbar - du kommst jederzeit an dein Geld, ohne Kündigungsfristen oder Sperrfristen.
Sicher - Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank sind durch die gesetzliche Einlagensicherung der EU geschützt. Bei deutschen Banken kommt in der Regel noch die freiwillige Einlagensicherung des Bankenverbandes hinzu, die deutlich höhere Beträge absichert.
Verzinst - Anfang 2026 gibt es auf guten Tagesgeldkonten rund 2,25 bis 2,5 Prozent Zinsen pro Jahr für alle Kunden, teils mehr für Neukunden. Damit federt der Notgroschen zumindest die Inflation teilweise ab.
Separat und mental klar abgegrenzt - ein eigenes Konto nur für den Notgroschen, idealerweise bei einer anderen Bank als dem Hauptgirokonto, macht es schwerer, spontan darauf zuzugreifen. Diese kleine psychologische Bremse funktioniert überraschend gut.
Tipp: Benenne das Konto in deiner Banking-App klar als "Notgroschen" oder "Nur für Notfälle". Dieser kleine Trick sorgt dafür, dass du zweimal nachdenkst, bevor du das Geld für etwas anderes nutzt.
Was ist mit Festgeld?
Festgeld kann eine sinnvolle Ergänzung sein, ist aber kein vollständiger Ersatz für das Tagesgeldkonto. Eine clevere Kombination ist die sogenannte Festgeldleiter: Den Anteil deines Notgroschens, den du mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht innerhalb der nächsten Wochen brauchst, legst du gestaffelt in Festgeld mit kurzen Laufzeiten von einem bis drei Monaten an. So erhältst du etwas höhere Zinsen, ohne die gesamte Reserve zu blockieren.
Praktisches Beispiel: Du hast 9.000 Euro als Notgroschen geplant. 3.000 Euro parkst du auf dem Tagesgeldkonto als sofort verfügbare Reserve. Die restlichen 6.000 Euro teilst du in drei Festgeldanlagen zu je 2.000 Euro mit Laufzeiten von einem, zwei und drei Monaten auf. So läuft alle paar Wochen etwas aus und wird wieder verfügbar.
Notgroschen und staatliche Einlagensicherung
In Deutschland und der gesamten EU sind Bankeinlagen gesetzlich bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt. Das bedeutet: Geht eine Bank pleite, bekommst du bis zu 100.000 Euro zurück. Für den durchschnittlichen Notgroschen von 5.000 bis 15.000 Euro ist diese Grenze weit genug entfernt.
Wer jedoch deutlich mehr auf einem Konto liegen hat oder den Notgroschen bewusst über mehrere Banken verteilen möchte, kann das ruhig tun. Die Zinsen variieren von Bank zu Bank, und ein kurzer Vergleich lohnt sich jedes Jahr einmal.
Wie baut man den Notgroschen auf?
Wer bisher keinen Notgroschen hat, muss ihn nicht sofort in voller Höhe anlegen. Der effektivste Weg ist ein Dauerauftrag: Direkt nach dem Gehaltseingang geht jeden Monat ein fester Betrag auf das Tagesgeldkonto. Wer nichts sieht, gibt nichts aus.
Wie viel du monatlich zurücklegen kannst, zeigt dir unser Finanzfluss-Rechner. Selbst 100 oder 150 Euro im Monat führen in einem Jahr zu einem Puffer von 1.200 bis 1.800 Euro. Das ist ein echter Unterschied.
Wichtig: Den Notgroschen solltest du mit klarer Priorität aufbauen, bevor du ETF-Sparpläne einrichtest oder in andere Anlagen investierst. Denn ohne Puffer könntest du im Notfall gezwungen sein, deine Geldanlage zu einem ungünstigen Zeitpunkt aufzulösen.
Was gehört in den Notgroschen, was nicht?
Der Notgroschen deckt echte Notfälle ab: defekte Geräte, unerwartete Arzt- oder Zahnarztrechnungen, Autoreparaturen, kurzfristiger Jobverlust. Er ist nicht dafür gedacht, Urlaube zu finanzieren, den nächsten Fernseher zu kaufen oder Weihnachtsgeschenke zu bezahlen. Das sind Sparziele, für die ein separates Unterkonto sinnvoll ist.
Wer den Notgroschen einmal anzapft, sollte ihn danach planmässig wieder auffüllen. Es ist kein einmaliger Aufbau, sondern ein dauerhaftes System.
Notgroschen und der nächste Schritt
Sobald der Notgroschen steht, öffnet sich der Weg zu sinnvollen Geldanlagen. Dann ist der richtige Zeitpunkt, um über einen ETF-Sparplan nachzudenken, passives Einkommen aufzubauen oder in die eigene Altersvorsorge zu investieren. Der Notgroschen ist das Fundament, auf dem das alles aufbaut.
Wie viel du regelmässig anlegen müsstest, um langfristig finanzielle Freiheit zu erreichen, berechnet dir unser Rechner für finanzielle Freiheit. Und wer in Aktien oder ETFs einsteigen möchte, findet mit unserem Sparplan-Rechner einen konkreten Einstiegspunkt.
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Fazit: Der Notgroschen kommt immer zuerst
Drei bis sechs Nettomonatsgehälter oder drei bis sechs Monatsausgaben als Richtwert, geparkt auf einem Tagesgeldkonto einer seriösen Bank. So einfach ist die Formel.
Der Notgroschen bringt keine hohe Rendite. Er bringt etwas viel Wertvolleres: Ruhe, Handlungsfähigkeit und die Freiheit, schlechte Finanzentscheidungen zu vermeiden. Wer ihn hat, schläft besser, trifft klarere Entscheidungen und kann langfristige Anlagen wirklich langfristig laufen lassen.
Fang heute an, auch wenn es erst 50 Euro im Monat sind. Der Notgroschen ist das Fundament, das alles andere trägt.
Alle Angaben zu Zinssätzen und staatlichen Leistungen beziehen sich auf den Stand März 2026 und können sich ändern. Dieser Artikel stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar.