Rentenpunkte kaufen - älteres Paar plant Altersvorsorge

Du möchtest früher in Rente gehen, hast aber Angst vor dauerhaften Abschlägen? Oder du willst einfach mehr aus deiner gesetzlichen Rente herausholen? Dann begegnet dir irgendwann die Möglichkeit, Rentenpunkte zu kaufen. Klingt zunächst simpel, ist aber mit einigen Fallstricken verbunden, über die die wenigsten im Voraus nachdenken.

Dieser Artikel erklärt dir, was Rentenpunkte kaufen konkret bedeutet, was ein Punkt 2026 kostet, wie du die Amortisation berechnest und wann sich der Kauf wirklich lohnt, und wann nicht. Am Ende kannst du mit unserem Rentenpunkte-Rechner deine eigene Situation durchrechnen.

Was bedeutet Rentenpunkte kaufen?

In der Fachsprache der Deutschen Rentenversicherung heißt es nicht "Rentenpunkte kaufen", sondern "Ausgleichszahlung zum Abbau von Rentenabschlägen". Das klingt sperrig, meint aber etwas Konkretes: Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen möchte, bekommt dauerhaft 0,3 Prozent weniger Rente pro Monat, den er zu früh in Rente geht. Wer vier Jahre früher in Rente geht, verliert also 14,4 Prozent seiner Rente, lebenslang.

Um diesen Abschlag auszugleichen, kann man freiwillig zusätzliche Beiträge in die Rentenkasse einzahlen. Vereinfacht gesprochen kauft man sich damit Entgeltpunkte, also Rentenpunkte.

Wer nutzt das? Vor allem Menschen ab 50, die planen, früher in Rente zu gehen, sowie Selbstständige, die die Mindestversicherungszeit von 5 Jahren noch nicht erfüllen.

Was kostet ein Rentenpunkt 2026?

Der Preis für einen Rentenpunkt berechnet sich nach einer einfachen Formel:

Kosten = Vorläufiges Durchschnittsentgelt × Rentenbeitragssatz (18,6 %)

Für 2026 ergibt das: 51.944 Euro × 18,6 % = 9.661,58 Euro pro Rentenpunkt.

Zum Vergleich: 2025 kostete ein Rentenpunkt noch 9.391,70 Euro. Der Preis steigt also jährlich mit dem Durchschnittsentgelt, meist um etwa 2 bis 3 Prozent pro Jahr.

Was bekommt man dafür? Ab Juli 2026 ist ein Rentenpunkt 42,52 Euro monatliche Bruttorente wert. Pro Jahr bringt ein gekaufter Rentenpunkt also rund 510 Euro mehr Rente.

Maximal können pro Jahr 1,95 Rentenpunkte gekauft werden, was einem Einmalbetrag von rund 18.840 Euro entspricht. Es sind bis zu 12 Zahlungen pro Jahr möglich.

Ab wann kann man Rentenpunkte kaufen?

Es gibt zwei klare Voraussetzungen:

Erstens müssen Sie mindestens 50 Jahre alt sein. Zweitens müssen mindestens 35 Jahre Versicherungszeiten nachweisbar sein (Beitragsjahre, Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten etc.).

Zusätzlich muss man von der Deutschen Rentenversicherung eine Auskunft einholen, wie viel man maximal einzahlen darf. Das hängt vom individuellen Rentenkonto und den verbleibenden Jahren bis zur Rente ab. Dieser Schritt ist Pflicht, bevor man überweist.

Die Amortisationsrechnung: Wann holt man das Geld zurück?

Das ist die entscheidende Frage. Und sie hat eine nüchterne Antwort.

Ein Rentenpunkt kostet 2026 rund 9.662 Euro einmalig. Er bringt ab dem ersten Rentenmonat rund 42,52 Euro brutto mehr Rente. Das ergibt folgende Amortisationszeit:

9.662 Euro / 42,52 Euro pro Monat = 227 Monate, also rund 19 Jahre.

Wer also mit 63 in Rente geht und Rentenpunkte kauft, holt sein Geld erst mit etwa 82 Jahren zurück. Wer danach noch viele Jahre lebt, macht ein gutes Geschäft. Wer früh stirbt, verliert.

Wichtig: Diese Rechnung gilt für die Bruttorente. Netto, nach Steuern und Krankenversicherungsbeiträgen, die auf die Rente anfallen, dauert die Amortisation noch länger, oft 22 bis 25 Jahre. Das müssen viele Menschen in ihre Kalkulation einbeziehen.

Mit dem Rentenpunkte-Rechner auf Finanzhacker kannst du genau berechnen, wie viele Rentenpunkte du in deiner Situation gesammelt hast und wie hoch deine spätere Rente wäre.

Der Steuervorteil: Weniger als du denkst

Seit 2023 sind Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung zu 100 Prozent als Sonderausgaben absetzbar. Das klingt nach einem großen Vorteil, ist es aber nur unter bestimmten Bedingungen.

Der jährliche Abzugshöchstbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen liegt 2026 bei 30.826 Euro (Alleinstehende) bzw. 61.652 Euro (Paare). In diesen Betrag fließen aber auch bereits deine laufenden Rentenbeiträge ein, inklusive des Arbeitgeberanteils.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit 50.000 Euro Bruttojahreseinkommen zahlt selbst rund 4.650 Euro Rentenbeitrag (9,3 %). Der Arbeitgeber zahlt nochmal 4.650 Euro. Zusammen sind das 9.300 Euro, die bereits auf den Höchstbetrag angerechnet werden. Verbleibend sind also 30.826 - 9.300 = 21.526 Euro, die noch steuerlich geltend gemacht werden könnten.

Wer den Betrag sinnvoll über mehrere Jahre streckt, kann den Steuervorteil maximal ausreizen. Alles, was über den Abzugshöchstbetrag hinausgeht, ist steuerlich wirkungslos.

Rentenpunkte kaufen oder ETF-Sparplan: Was ist besser?

Diese Frage lohnt sich zu stellen. Ein ETF auf den MSCI World hat historisch rund 7 bis 8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Ein gekaufter Rentenpunkt amortisiert sich rechnerisch erst nach 19 bis 25 Jahren. Das klingt nach einem klaren Sieg für den ETF.

Aber das ist eine unvollständige Rechnung. Der entscheidende Unterschied ist das Risiko. Rentenpunkte sind eine garantierte, staatlich gesicherte, lebenslange Zahlung. Ein ETF kann schwanken, der Wert kann zum falschen Zeitpunkt niedrig sein. Und: Der ETF ist endlich. Wer sehr lange lebt, läuft Gefahr, sein ETF-Vermögen zu verbrauchen. Die gesetzliche Rente zahlt bis zum letzten Lebenstag.

Rentenpunkte sind also keine Investition im klassischen Sinn. Sie sind eine Versicherung gegen ein langes Leben. Wer sehr alt wird, profitiert überproportional. Wer einen klar definierten Schutz vor dem Frente-Abschlag sucht und dabei gut verdient, findet hier eine sinnvolle Ergänzung zur privaten Vorsorge.

Für wen lohnt sich der Kauf, für wen nicht?

Es lohnt sich eher, wenn: Du möchtest definitiv früher in Rente gehen und hohe Abschläge drohen (ab etwa 150 Euro monatlich). Du zahlst aktuell hohe Einkommensteuer und kannst den vollen Steuervorteil nutzen. Du hast eine lange Lebenserwartung und gute Gesundheit. Du willst deine Altersvorsorge diversifizieren und ein gesichertes Grundeinkommen erhöhen.

Es lohnt sich eher nicht, wenn: Du keine oder kaum Einkommensteuer zahlst und keinen Steuervorteil realisierst. Du bereits 65 oder älter bist, weil die Amortisationszeit zu kurz ist. Du eine schwere Erkrankung hast oder eine kürzere Lebenserwartung einkalkulierst. Du die volle steuerliche Höchstgrenze bereits durch laufende Beiträge ausgeschöpft hast.

So gehst du vor, wenn du Rentenpunkte kaufen möchtest

Erstens: Rentenauskunft einholen. Auf dem Rentenbescheid oder durch eine Kontenklärung bei der Deutschen Rentenversicherung erfährst du, wie viele Punkte du bisher hast und wie hoch deine prognostizierte Rente ist.

Zweitens: Maximalbetrag berechnen lassen. Die Deutsche Rentenversicherung berechnet auf Anfrage, wie viel du maximal einzahlen darfst, um Abschläge vollständig auszugleichen.

Drittens: Steuerliche Situation prüfen. Wie viel des Abzugshöchstbetrags hast du noch nicht ausgeschöpft? Das bestimmt, wie viel du in einem Jahr sinnvoll einzahlen kannst.

Viertens: Amortisation berechnen. Wie lange musst du Rente beziehen, um die Investition zurückzuerhalten? Nutze unseren Rentenpunkte-Rechner als Ausgangspunkt.

Fünftens: Überweisen. Nach Erhalt der Auskunft überweist du den Betrag direkt an die Deutsche Rentenversicherung. Die Buchung erfolgt in der Regel innerhalb weniger Wochen.

Fazit: Rentenpunkte kaufen ist keine Rendite-Entscheidung

Wer Rentenpunkte kauft, kauft sich Sicherheit, keine Rendite. Die Amortisationszeit von 19 bis 25 Jahren macht die Rechnung nur dann attraktiv, wenn man ein hohes Rentenalter erreicht und dabei von einem soliden Steuervorteil profitiert.

Für alle anderen gilt: Eine Kombination aus Notgroschen, ETF-Sparplan und einer bewussten Rentenplanung ist in den meisten Fällen die klugere Strategie. Wie viel passives Einkommen du dir aufbauen kannst, zeigt unser Rechner für finanzielle Freiheit.

Alle Angaben beziehen sich auf den Stand März 2026. Rentenwerte, Durchschnittsentgelt und steuerliche Grenzen werden jährlich angepasst. Dieser Artikel stellt keine Steuer- oder Rentenberatung dar.